Im öffentlichen Leben Wiens spielen Schwule schon seit Jahrhunderten eine prominente Rolle. Der vielleicht berĂŒhmteste Schwule in der österreichischen Geschichte war Prinz Eugen von Savoyen (1663â1736), der mit seinem Heer Wien von der tĂŒrkischen Belagerung befreite und die Osmanen bis auf den Balkan zurĂŒckdrĂ€ngte. Doch nicht nur auf dem Schlachtfeld war Prinz Eugen ausschlieĂlich von MĂ€nnern umgeben, auch privat pflegte er intimen Umgang mit dem eigenen Geschlecht, was bereits zu seinen Lebzeiten bekannt war. Trotzdem konnte er seine Karriere und seine Machtstellung unter drei verschiedenen Kaisern ausbauen. Auch heute noch sind seine Spuren in Wien allgegenwĂ€rtig, zum Beispiel sein berĂŒhmtes Sommerpalais, das barocke Schloss Belvedere.
Dem letzten Kaiser, unter dem Prinz Eugen diente, Karl dem VI., wird eine intime Beziehung zu Graf Michael Johann III. Althan nachgesagt, den der verschlossene und verschrobene Monarch als einen der wenigen bei Hofe an sich heranlieĂ. Als Althan 1722 starb, erinnerte sich der trauernde Kaiser daran, dass er ihn âș19 Jahr inniglich gelibt in wahrer Freundschaftâč. Unter Karls Regentschaft blĂŒhte Wien auf, die Karlskirche wurde errichtet, Schloss Schönbrunn und die Hofburg wurden ausgebaut und zahlreiche barocke Prunkbauten entstanden.
Kopfschmerzen bereiteten Kaiser Franz Josef nicht nur RegierungsgeschĂ€fte, sondern sicher auch sein schwuler jĂŒngerer Bruder, Erzherzog Ludwig Viktor (1842â1919), von seinen Freunden liebevoll âșLuziwuziâč genannt. Luziwuzi war bei Hofe fĂŒr seine spitze Zunge und seine Fummel allgemein bekannt. Bei einem seiner regelmĂ€Ăigen Besuche im âșCentralbadâč (der heutigen KaiserbrĂŒndl-Sauna) sorgte er fĂŒr einen handfesten Skandal, als er von einem Offizier, dem er sich anzĂŒglich genĂ€hert hatte, geohrfeigt wurde.
Zu Wiens schwulen Prominenten gehören auch die Architekten des Opernhauses, Eduard van der NĂŒll (1812â1868) und August Sicard von Sicardsburg (1813â1868). Auch die mit Wien so eng verwobene Musik ist nicht frei von QueerschlĂ€gern. Der Komponist Franz Schubert (1797â1828) war dafĂŒr bekannt, Frauenkontakte eher zu scheuen. DafĂŒr lebte er ĂŒber zwei Jahre mit seinem als schwul bekannten Textdichter Johann Baptist Mayrhofer zusammen. Die Zuneigung der beiden schlug sich in mehreren Liedtexten Mayrhofers fĂŒr Schuberts Kompositionen nieder sowie in einer leider nur Fragment gebliebenen Oper mit dem Titel âșAdrastâč.
Der Mittelpunkt der heutigen schwulen Szene und die meisten ihrer Bars befinden sich entlang der Linken und Rechten Wienzeile.
Zu den jÀhrlichen Höhepunkten und queeren Events in Wien gehören der Regenbogenball im Winter, Vienna Pride mit der Regenbogenparade im Juni und das Ledertreffen Wien in Schwarz im Oktober.
(Dieser Text basiert auf einem Artikel von Robert Kastl.
Die Rechte liegen beim Wiener Tourismusverband.)